Epic Daiquiri Fail

Kürzlich habe ich bei Cocktailwelten einen Beitrag gelesen, über einen Herren der scheinbar das exakt gleiche erleben durfte wie ich kürzlich auch. Ursprünglich wollte ich das gar nicht unbedingt bloggen – jetzt werd ich es doch aufschreiben.

Nachdem ich ja schon in der leider ausgefallenen Sneakpodfolge zum Film “The Mirrors” bekanntgeben habe das ich ein großer Daiquiri-Freund bin, kommt nun meine ganz spezielle Barerfahrung zum Thema Daiquiri aus Giessen.

Es war einmal…

…ein einigermaßen kalter Tag – und es war ein doch sehr langer Arbeitstag für einen Kollegen und mich, in Giessen. Wir müssen beide noch in der Bahn heimfahren, kommen aber aus Gründen die jetzt nichts zur Sache tun erst gegen 22:30 Uhr in der Firma weg. Am Bahnhof angekommen stellen wir ernüchtert fest das der Zug gerade abgefahren ist und wir nunmehr wohl über eine Stunde festsitzen. Also wird der naheliegende Entschluß gefasst erstmal beim Asiaten was zu Essen und anschließend in die Bar zu gehen, die da ist, in der aber noch keiner von uns beiden je war.

Meine Wahl fiel, nachdem ich die Classics-Sektion der Cocktailkarte überflogen hatte ohne etwas passendes zu finden, auf einen Daiquiri. ‘Werden Sie ja wohl hinkriegen’, dachte ich mir. Also bei der freundlichen Bedienung einen Daiquiri bestellt und auf Ihre Frage ob ich den mit Erdbeer oder was haben möchte gesagt:

“Nein, einfach nur so – einen Daiquiri.”

Mein erster Gedanke war: ‘Sie geht dann jetzt zum Barkeeper und sagt Ihm das ich einen Daiquiri will, der wird dann schon wissen was zu tun ist.’

Weit gefehlt

Leider war dem nicht so. Die Bedienung war in meinem Falle auch gleichzeitig der Barkeeper und somit war meine Hoffnung auf einen Daiquiri auch schon fast dahin – als sie nochmal zurück kam:

ääähh, der Daiquiri – ich kann mir das noch nicht so ganz vorstellen

Was? Was kann man sich denn daran nicht vorstellen? Ein verdammter Daiquiri.

“Wir machen die immer mit Erdbeerpüree.”

ich entgegnete also:

“Ja, ich weiß – aber lassen Sie das einfach weg. Heller Rum, Limettensaft und Zuckersirup, shaken, strainen – fertig.”

Sie:

Ach geshaked, wir machen die immer im Mixer. Ich kann den aber auch shaken wenn Sie möchten?

ich:

Ja, das wäre mir lieber.

Gut, nun hatte ich meine Hoffnung zurück – es könnte doch tatsächlich klappen das ich einen echten Daiquiri bekomme.

Failed

Tja, leider kam es anders. Das was mir serviert wurde erinnerte nichtmal im entferntesten an einen Daiquiri – das fing schon beim Glas an.

Glas und Deko

Serviert in einer Art kleinem Longdrinkglas – geriffelt an den Seiten bis oben hin voll mit Crushed Ice – immerhin nicht slushy. Von der Farbe her mit einem ganz leichten Hellbraunton. Fast wie ein heller Rum – aber definitv kein Limettensaft darin – jedenfalls kein frischer oder mehr als nur 3 Tropfen. Darauf eine Deko die ich für einen MaiTai vielleicht schon übertrieben fände. Definitv Tiki-Style mit Ananas und so’m Zeugs.

Geschmack

‘.. vielleicht schmeckt er ja trotzdem?’ war dann wohl mein nächster Gedanke und ich wagte mich heran. Leider wurde ich auch hier wieder entäuscht – immerhin wurde mir jetzt klar wo die hellbraune Färbung herkam. Die gute Dame hinter der Bar muss wohl das Erdbeerpüree 1:1 gegen Zuckersirup oder etwas ähnliches ausgetauscht haben – jedenfalls überfiel mich eine direkte Attacke von überbordender Süße und keinerlei Hinweis auf Alkohol oder gar einen Rumgeschmack. Epic Fail, ganz definitiv.

Keine gute Art einen solchen Arbeitstag zu beenden und ich war es auch leid noch weiter rumzudiskutieren, oder ein Nachbessern zu fordern. Ich hab ihn sogar ausgetrunken, bezahlt und mir meinen Teil gedacht. Ohnehin war es langsam an der Zeit den Zug zu nehmen, um nicht auch noch den Nächsten zu verpassen.

Fazit

Christian von Cocktailwelten sprach mir aus der Seele als ich seinen Blogeintrag las – es scheint echt nicht so einfach zu sein, einen so elementaren und klassischen Drink in einer durschnittlichen deutschen  Cocktailbar zu bekommen. Diese Bar, von der ich hier berichte, hat dutzende Cocktails auf der Karte, ist in der Region sehr beliebt und am Wochenende brechend voll – auf jedem Tisch Caipis und solche Sachen…

Die Barkeeper scheinen einen nichtmal zu verstehen wenn man so etwas elementares wie einen Daiquiri ordert, auf die Idee ein x-beliebiges Barbuch aufzumachen und vermutlich unter Rum, auf der ersten Seite, das Rezept nachzulesen, kommen sie allerdings auch nicht.

Also hier nochmal zum einprägen:

Ein Daquiri wird folgendermaßen gemacht:

  1. Cocktailglas vorkühlen
  2. 5cl weißer Rum in den Shaker
  3. 3cl Limettensaft frisch Pressen und in den Shaker
  4. 2cl Zuckersirup in den Shaker
  5. ordentlich shaken, mit großen Eiswürfeln
  6. ins  gekühlte Cocktailglas strainen
  7. garnieren mit einer Limettenscheibe

Oder, wer das lieber in bewegten Bildern sieht: Der schaut hier zu, wie bei Brilliant Cocktails ein brillianter Daiquiri gemacht wird.

Gerne kann man hier über die Verhältnisse der 3 Zutaten streiten oder die Hemmingway-Variante mit Maraschinolikör bevorzugen oder was auch immer – aber jedenfalls sollte er wenigstens so ähnlich auf meinem Tisch ankommen.

…und ungefähr so sollte er aussehen, auch wenn auf diesem Foto eine El Floridita-Variante mit Maraschino-Likör abgebildet ist.

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Photo: Kenn Wilson, unter cc.

On this day..

4 Gedanken zu „Epic Daiquiri Fail

  1. Moin

    ich war der besagte Arbeitskollege. Ich habe keine Ahnung von Cocktails, und ich moser nicht rum, solange es mir schmeckt… ABER:!!!
    Das, was Robert so schön beschrieben hatte, war harmlos für mich, da ich wie gesagt ja nicht weiss was in einem Daquiri etwas zu suchen hat und was nicht, bis zu dem Moment, als die nette Dame zurückkam und den entscheidenden Satz sagte: “…ich kann mir das nicht so ganz vorstellen”…

    Von da an musste ich mich so zusammenreissen vor Lachen nicht vom Hocker zu fallen.

    Auch wenn es, mal im nachhinein betrachtet, schon mehr zum weinen als zum lachen ist.

    Ich weiss nicht wie die Cocktails auf deren Karte korekkterweise gemacht werden sollten, ich werde nicht dafür bezahlt… aber die nette Dame hinterm Tresen schon.

    Das ist irgendwie so, als würde sich die Stewardess auf den Pilotensitz einer 747 setzen und die Kiste in Frankfurt landen… Gedanken an Katastrophenfilme a ‘la “Airport” kommen da hoch.

    Ob es von dem Daquiri-Desaster auch einen Film geben wird? Man darf gespannt sein :)

    Grüsse
    Oliver

  2. Es ist einfach zu unglaublich. Nennen die sich wirklich Cocktailbar? Und kann man da nicht auch den Namen nennen? Es handelt sich ja um eine ganz sachliche Kritik und dann ist es meiner Meinung nach legitim, die potenziellen nächsten Opfer zu warnen.

    Um jetzt noch als Kritiker dieser Barkritik zu fungieren, möchte ich noch Folgendes anmerken:
    Dein spritzig geschriebener Beitrag gefällt mir gut und hat mich zum Schmunzeln gebracht, obwohl Du mir diesen Vorfall bereits erzählt hattest.
    Allerdings solltest Du dringend an Deiner Interpunktion arbeiten, v.a. am erweiteren Infinitiv (ok, in der Hinsicht bin ich vielleicht etwas altmodisch, aber läßt Du das Komma da tatsächlich bewußt weg?).

  3. Sehr schöner Beitrag! Diese Vorstellung, dass jemand, der dafür Geld bekommt einen Klassiker nicht machen kann, erschreckt mich sehr!

    Jeder, der Dich persönlich kennt, sollte diese Geschichte sich nochmal erzählen lassen – es geht nichts über Deine Mimik und Gestik beim Erzählen!

    Prost – auf nur noch gute Drinks!

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