‘Earth Hour’-Fazit: Dunkles Kapitel

So ist das mit Deutschland. Im Verzichten sind wir nicht so gut, verzichten auf Licht wohl schon mal gar nicht. Die Welt macht’s Licht aus und wir schalten auf stur.

logo250Vor ein paar Stunden war in unserer Zeitzone Earth Hour (ich berichtete ((das wollte ich schon immer mal schreiben))). Auf der Erde machen 3929 Städte in 88 Ländern das Licht aus – die einzige Stadt die sich für Deutschland, für die Earth Hour, ‘angemeldet’ hatte, war Hamburg. Der Rest hätte natürlich trotzdem das Licht ausmachen können – aber wer schon vorher nicht begriffen hatte, dass es diese Aktion gibt, oder warum, von dem war wohl nicht zu erwarten dass er den Schuß noch hört.

Es sollte ein Zeichen werden für die Handelnden in Wirtschaft und Politik, dass die Menschen Klimaschutz nicht nur als Phrase in großen Reden hören wollen, sondern auch in Taten. Die Deutschen wollten dieses Zeichen wohl nicht setzen. Weltweit rollt seit heute morgen eine symbolträchtige Welle der Dunkelheit über die Erdkugel und Deutschland wird dabei auf seltsame Weise übersprungen.

Wenn man sich diese Karte der Voranmeldungen (städteweise) für die Earth Hour auf deren Website ansieht, blickt man auf ein trauriges aber sehr bezeichnendes Bild. Deutschland ist ein leerer Fleck, ein heller Fleck.

Den meisten Leuten sollte klar sein, das diese Stunde dem Klima nichts bringt, auch wenn Millionen mitmachen – aber ein Zeichen setzen kann es.
Das gelingt am besten wenn nicht nur Privatpersonen mitmachen, sondern vor allem Unternehmen. Wenn Otto Normal zu Hause sein Licht für eine Stunde löscht, fühlt er sich gut, gerettet hat er aber wohl eher nichts. Ein Zeichen, ein für alle sichtbares Symbol wird daraus erst, wenn die Unternehmen mitspielen, die großen Gebäude ihre Außenbeleuchtungen abschalten, McDonalds das M ausknipst und der lokale Mercedes-Händler, seine ohnehin verschlossenen, Verkaufshallen verdunkelt.

Ein Symbol muß man sehen können, sonst ist es keins.

Vietnam, Earth Hour 2009

Deutschland ist auf ganzer Linie gescheitert, die Ortsvorsteher unserer Städte & Gemeinden haben versagt, haben typisch deutsch reagiert und erstmal gezögert und gehadert um am Ende gar nichts zu tun und zuzuschauen. International sicher ein tolles Zeichen. Glückwunsch!

Die Earth Hour ist dieses Mal in Deutschland (ich wüßte gern warum) nicht großartig beworben worden, vor allem die Medien die hier als Multiplikator wirken müssten haben sich sehr zurückgehalten. So haben vermutlich die meisten Leute, die nicht über Onlinedienste wie Facebook, Twitter, oder Youtube aus dem Ausland über diese Aktion erfahren haben, schlichtweg gar nichts davon gewusst. Die Web 2.0-Welt ist eben doch noch lange nicht im Mainstream angekommen, auch wenn wir das gerne hätten.

Der Spiegel (Sitz: Hamburg, unserer einzigen Teilnehmerstadt) hat direkt nach Ende der Aktion ein ähnliches Fazit gezogen. Frank Patalong schreibt von einer verpassten Chance.

Wir haben hier zu Hause bei Kerzenschein gesessen, ein Blick aus dem Fenster auf ein hell erleuchtetes Wohngebiet in Frankfurt/M. offenbarte: Unsere Nachbarn haben von nichts gewusst.

Die Welle rollt weiter, ohne uns.

Photo Thomas Phan, unter cc Lizenz.

Link zum Initiator der Earth Hour: WWF

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