Apple Pay

Kunde: “Ich würde das gern kontaktlos bezahlen.”
Kassierer: “Wie bitte?”
Kunde: “Ich würde das gern kontaktlos bezahlen.”
Kassierer: (beugt sich vor und dreht sein Ohr bedeutungsvoll zum Kunden) “Wie, bitte?”
Kunde: “Kontaktlos, zahlen?” (deutet mit dem Handy in der Hand auf das Kartenterminal)
Kassierer: “Womit?”
Kunde: “Kontaktlos, per NFC.”
Kassierer: “Ich kann (…) ich weiß nicht.., mit welcher App?”
Kunde: “Drücken Sie doch mal bitte auf Kartenzahlung, das sollte dann funktionieren.”
(Kassierer drückt und guckt befremdet)
(Kunde hält Smartphone ans Terminal, 2 Sekunden später bestätigt das Terminal die Zahlung und ein Kassenbeleg wird gedruckt)
Kassierer: (beäugt den Kassenbon skeptisch) “Ja, ok (pause) na dann..” (übergibt den Kassenbon)
Kunde: “Ja, danke – super!” (lächelt und geht ab)


Apple Pay, der Test

Nachdem ich kürzlich auf Twitter berichtet hatte, dass ich mir Apple Pay nun eingerichtet hatte stand der erste Test ja noch aus.

Oben stehender Dialog ist (nahezu) wortwörtlich (so gut meine Erinnerung das hergab) diese erste Begegnung von mir (und offenbar auch die des Kassierers) mit smartphonebasierter kontaktloser Zahlung. In Foren und auf Twitter hatte ich recherchiert dass u.a. bei Rewe die Zahlung mit Apple Pay möglich sei.

Apple Wallet - Screenshot nach der Zahlung
Apple Wallet – Screenshot nach der Zahlung

Ich hab mir also einen Rewe-Markt, zu einer nicht allzu hektischen Uhrzeit ausgesucht und eine Kasse gewählt an der ich der einzige Kunde war. Längere Diskussionen über die Technik hätten also nur mich und den Kassierer aufgehalten – so war es dann ja auch, wenn auch nur um einige Sekunden. Nach dem das oben geschilderte Schauspiel ablief hatte ich mein Wasser, 2 Joghurts und einen Smoothie im Sack.

Notification

Direkt nach der Zahlung sieht man in der Wallet-App die letzte Zahlung (siehe Screenshot oben) und nur wenig später ist die Zahlung auch in der App der Online-Kreditkarte von boon sichtbar. Es geht also auch nach der Kasse wirklich schnell und bleibt ohne die üblichen 24-48h Wartezeit im Überblick.

Kosten:

Rechnen wir den Spaß an meinem Testeinkauf einfach einmal durch, schließlich ist der Trick über die virtuelle englische Kreditkarte nicht unbedingt das was man gemeinhin als “straight-forward” bezeichnen würde.

Das Aufladen der virtuellen, englischen Kreditkarte mit 20 £ (+ 1 £ Aufladegebühr) landete auf meiner, zum Aufladen verwendeten, echten Kreditkarte mit 25,88 € (inkl. Auslandsgebühr). Das macht, wenn man die Gebühr mit in den Kurs reinrechnet, für diese 20 Pfund einen Kurs von etwa 0,77 £/€. Die zweite Währungsumrechnung erfolgte beim Bezahlen: Mein Testkauf hatte an der Kasse einen Preis von 4,17 €, was auf der virtuellen englischen Kreditkarte als 3,51 £ ankam. Hier lag also ein Kurs von etwa 0,85 £/€ zugrunde (dieser enthält eine Auslandseinsatzgebühr von boon, das rechnen wir der Einfachheit halber mal in den Kurs rein).

Buchung in der Boon-App
Buchung in der Boon-App

Rechnet man die 3,51 £ mit dem von mir urspünglich (wohlgemerkt inkl. der Auflade- & der Auslandsgebühr) gezahlten Kurs wieder zurück, so habe ich etwa 4,54€ für die 4,17€ gezahlt. Der Aufpreis für den Apple-Pay-Spass betrug also 37 €-Cent, oder 8,9%.

mehr aufladen

Würde ich nun beim nächten mal nicht 20 £ aufladen, sondern beispielsweise gleich 100 £, so würde sich die Aufladegebühr “besser verteilen”™. In diesem Fall (bei ansonsten konstant angenommenen Umrechnungskursen) hätte ich für die 4,17 € vermutlich etwa 4,37 € bezahlt – mithin nur noch 20 €-Cent zuviel bzw. 4,7%. Über 100 £ steigt die Gebühr da sie “1% jedoch mindestens 1 £” lautet.

Die Karte läßt sich wohl auch über SEPA aufladen, das hab ich – weil ich ach so neugierig war und SEPA eben ein bißchen dauert – bislang nicht getestet, dabei entfällt die Aufladegebühr, was das Ganze auf die Währungskursverluste und Auslandsgebühren reduziert. In meinem Test-Fall wäre ich vermutlich bei etwa 15 €-Cent bzw. 3,7% Aufpreis rausgekommen.

Alle Angaben ohne Gewähr – ich hoffe und denke dass ich mich nicht verrechnet habe, aber sicher ist man sich ja nie.

Fazit

Für den Alltag ist Apple Pay – solange in Deutschland noch nicht offiziell eingeführt – derzeit einfach noch zu teuer. Die Technik jedoch ist komplett funktionsfähig und begeistert mich wirklich. Die Zeit die der reine Bezahlvorgang benötigt (Handy rausholen, ranhalten, auf den Bon warten, gehen) war beeindruckend kurz. Kein PIN, keine Unterschrift, nichts! Das ganze bei ordentlicher Sicherheit und Privacy.

Der Umweg über die englische Online-Mastercard verhagelt den Spaß noch etwas. Jedoch ist Apple Pay vor einigen Tagen in Frankreich (ein Euroland – *hurra*) an den Start gegangen, eventuell ergibt sich hier künftig ein Weg die Kursverluste auch noch aus der Rechnung zu verbannen.

3 Gedanken zu „Apple Pay

  1. Geht bei Beträgen unter 25 € noch schneller und unkomplizierter mit einer NFC-Kreditkarte.

  2. Also das mit Boon Frankreich funktioniert. Aber was ist mit über 25 Euro Rechnungsbeträgen? Schonmal einer das dann nur mit Fingerprint authorisieren können oder zwingen die Terminals dann doch noch zur PIN Eingabe?

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